Unsere Familie war mit höchster Wahrscheinlichkeit in der zwischen Hügeln, Wäldern und Seen angesiedelten alten Stadt Trakai in Litauen ansässig. Die Ufer der Halbinsel, auf der die Stadt liegt, werden von den Seen Galvės, Totoriškių und Bernardinų (Lukos) umspült. Diese, für ihre wunderbaren Landschaften und die legendäre Burg Trakai bekannte Stadt war einstmals die Wiege des Staates Litauen und seine Hauptstadt; ein wichtiges militärisches und politisches Zentrum und Sitz der Großfürsten Litauens.

Der Ahne, welcher ursprünglich aus Trakai kam, hieß Trakiškis. Da die Stadt Trakai auf polnisch Troki heißt, wurde eben dieser Ahne Trocki (dt. Trotzky – d.h. von Trakai, von Troki) gerufen.

Die wohl adeligen Vorfahren der heutigen Familien Tratschitt und Tratzky kamen im 17. Jahrhundert von Białogarda (deutsch: Belgard an der Leba) in Polen nach Sponsheim (heute: Bingen-Sponsheim in Rheinland-Pfalz) in Deutschland.

Soweit uns bekannt ist, entstand der Name Tratzky deshalb, weil ein ziemlich betrunkener polnischer Vorfahre sein 6. Kind (den Stammhalter) beim Standesamt angemeldet haben soll und nicht mehr in der Lage den Familiennamen Trotzky richtig auszusprechen, so dass dann der Name Tratzky nieder geschrieben wurde.

Eine weitere Legende berichtet von zwei zerstrittenen Brüdern Namens Tratzky. Diese waren so zerstritten, dass einer den ursprünglichen Namen Tratzky behielt und der andere den heutigen Familiennamen Tratschitt annahm. Wie und warum, das kann heute keiner mehr sagen. Ein Gerichtsurteil von 1865 des Großherzoglichen Bezirksgerichtes Mainz bestätigt die Schreibung des Namens Tratzky für die Sponsheimer Linie. Leider kann dieses Gerichturteil nicht mehr eingesehen werden, da es in den Kriegszeiten vernichtet wurde.

Als Namensvarianten wurden bis zum heutigen Tage folgende Schreibweisen bekannt: Tratzky, Tratzki, Tratschky, Tratschick, Trazki, Trazky, Tratschitt, Dratschitt, Drattschitt, Tratschill, Dratschy, Trotzky, Trotzki.

Die Ahnenspitze der Familien Tratschitt und Tratzky stammt nach derzeitigem Kenntnisstand aus Brody, Pologne. Meine Alturgroßeltern Jean Tratzky und seine Ehefrau Marie Andrezy sind die ältesten bekannten Vorfahren.

Die ersten in Deutschland bekannten Vorfahren sind Georg Tratzky (geb. 1773 in Brody, Pologne) und seine Ehefrau Maria Anna Weinheimer (geb. 1775 in Sponsheim), welche zugleich Begründer der „Sponsheimer-Linie“ waren.

Georg und Maria Anna hatten nach derzeitigem Kenntnisstand sechs Kinder, namens Martha (1802 – ?), Sebastian (um 1805 – ?), Caspar (1808 – nach 1862), Andreas (1811 – 1874), Georg II. (um 1814 – 1879) und Balthasar (1818 – ?.

Martha hatte zwei Kinder, namens Sebastian (1823 – ?) und Georg III. (1827 – ?), und lebte in Sponsheim (heute Bingen-Sponsheim.

Sebastian hatte mit seiner Ehefrau Apollonia Stumm neun Kinder, namens Anton (1828 – ?), Eli-sabeth (1830 – ?), Anna Maria (1832 – ?), Georg (1834 – ?), Katharina (1836 – ?), Eva Rosina (1839 – ?), Maria Martha (1841 – ?), Johanna Elisabatha (1843 – ?) und Sebastian (1845 – ?) und lebte ebenfalls in Sponsheim.

Georg II. ehelichte im Jahre 1862 in Sponsheim Katharina Weinheimer, mit der er zwei Töchter namens Susanna(1862 – ?)und Maria Martha (1866 – ?) zeugte.

Andreas zeugte mit Margarete Weis aus Nackenheim einen unehelichen Sohn, namens Conrad Tratzky, welcher 1848 geboren wurde und ein Jahr später bereits verstarb.

Der Handarbeiter Andreas Tratzky (Dratschitt/Tratschitt; geb. 1811 in Sponsheim) lernte in Hechtsheim die Wittwe von Adam Arnold kennen und verliebte sich in diese. Katharina Martha Beickler (geb. 1826 in Hechtsheim; Ahnenlinie „de Beukelaer“), so ihr Name, heiratete am 06.01.1856 in Hechtsheim meinen Ahnen Andreas. Sie sind somit Begründer der „Hechtsheimer-Linie“.

Mit dieser zeugte er sieben Kinder, namens Kaspar-Josef (1854 – ?), Johann Jakob (1856 – ?), Nikolaus (1859 – 1898), Josef (1861 – 1910), Eva (1864 – ?), Klara (1865 – ?) und Friedrich (1867 – 1931) – meinen Urgroßvater.

Die Hechtsheimer-Linie schrieb sich bis auf die Familie von Kaspar irgendwann Tratschitt.

Kaspar-Josef heiratete 1875 in Hechtsheim Maria Margaretha Preiser. Kinder sind aus dieser Ehe nicht bekannt. Später zeugte er mit Barbara Katharina Palzer, seiner zweiten Ehefrau, zwei Söhne: Johann Tratzky (1902 – 1982) und Friedrich Tratzky (1903 – 1970).

Sein Bruder Johannes-Jakob ehelichte 1885 Margaretha Josefa Gottschalk. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Heinrich und Franz-Nikolaus (1889 – 1969) hervor.

Josef heiratete Eva Keim. Sie hatten acht Kinder: Wilhelm, Katharina, Anna, Nikolaus, Margaretha, Jakob, Elisabeth und Josef.

Der Steinmetz Friedrich Tratschitt (1867 – 1931) – mein Urgroßvater – lebte mit seiner zweiten Frau Katharina Margareta Tratschitt geb. Bauer (1875 – 1934) und seinen zehn Kindern: Nikolaus (1898 – 1956), Anna (1899 – 1899), Margaretha (1900 – 1974), Paul-Robert (1901 – ?), Robert (1902 – ?), Josef-Friedrich (1905 – 1962), Anna Maria (1908 – 1909), Elisabeth Mathilde (1909 – 1910), Friedrich-Wilhelm (1911 – 1968) und Franz-Josef (1913 – 1978) in Mainz-Hechtsheim. In erster Ehe (20.09.1892) war dieser mit Helene Barbara (1868 – 1897), der Schwester von Katharina Margaretha verheiratet. Mit dieser hatte er folgende Kinder: Nikolaus-Josef (1893 – 1893), Johann-Wilhelm (1894 – 1973), Katharina Elisabeth (1895 – 1973) und Josef (1896 – 1897) mit.

Franz-Josef Tratschitt, mein Großvater, wurde als Sohn des am 18.11.1931 verstorbenen Stein-metz Friedrich Tratschitt und dessen Ehefrau Katharina Tratschitt geb. Bauer in Hechtsheim in der Ackergasse 2 geboren.

Nach Beendigung seiner Schulzeit trat er als Lehrling bei der Firma Josef Schwarz in Mainz ein, um das Elektriker-Handwerk zu erlernen. Nach seiner Lehrzeit arbeitete er noch kurze Zeit bei der Firma Schwarz und musste wegen Arbeitsmangel entlassen werden.

1933 verschlug es ihn nach Nieder-Saulheim, wo er beim Weingutsbesitzer K. Jung als Landhilfe tätig war und er Katharina Dechent kennenlernte. Am 18.03.1939 heiratete Franz-Josef schließlich seine Katharina. Mit ihr hatte er vier Söhne: Klaus-Jürgen (1943 – 1943), Wolfgang (1943 – 2014), Rainer (1947 – 2012) und Jürgen-Paul (1950 – heute). Die Familie lebte in Nieder-Saulheim in der Wiesengasse 15 (heute Wiesengasse 13).

Die beiden betrieben einen Wollladen und Weinbau. Sie stellten Sylvaner, Müller-Thurgau und als Rotwein den Portugieser her.

Der Erbauer des Anwesens in der Wiesengasse war der Maurer Gabriel III. Braun, der mit seiner Ehefrau Dorothea Braun geb. Weidemann und seinen Kindern Ludwig, Heinrich, Elisabeth, Katharina und Maria zunächst dort lebte.

Maria Braun heiratete am 20.08.1910 in Nieder-Saulheim den aus der Heileckergasse stammenden Reichsbahnbeamten Wilhelm VII. Dechent. Diese hatten zwei Kinder namens Andreas und Katharina, die spätere Ehefrau von Franz-Josef Tratschitt.